Samstag, 8. Juli 2017

Heilen durch Handauflegen: Hokuspokus Medicus?

Wer heilt, hat recht – heißt es nicht nur unter Medizinern. Egal welche Methode angewandt wird, am Ende ist diejenige die beste, die den Patienten gesund macht. Aber Heilen durch Handauflegen – kann das irgendetwas anderes sein als Humbug?

Birthe Krabbes berührt mit ihren Händen sanft die Schläfen ihres Patienten Stefan Maus. Sie schließt die Augen, wirkt gedankenverloren. „Ja, da ist etwas“, murmelt die 50-Jährige.Eine Strähne ihres Haars fällt ihr ins Gesicht.

Das kümmert sie aber nicht. Während der Behandlung geht es nur um den Patienten. „Ein leichter Spannungskopfschmerz“, sagt die Heilerin. Sie versucht den Schmerz durch Fingerbewegungen aus dem Kopf des 53-Jährigen zu „ziehen“, wie sie es nennt. „Ein Spannungskopfschmerz fühlt sich in meiner Handfläche an wie ein warmes Kribbeln“, sagt Krabbes.

Für die verschiedenen Krankheitsbilder habe sie verschiedene Gefühle. Warum das so ist, kann sie nicht erklären. „Ich fühle das einfach.“ Die Rahlstedterin  ist sehr intuitiv in dem, was sie tut. Sie ist keine ausgebildete Heilpraktikerin, macht einfach, was sich „richtig anfühlt“. Sie kümmert sich um Patienten mit ganz verschiedenen Krankheitsbildern. Von Gürtelrose bis zu Entzündungen. Nur Krebs fühlt sie nicht, sagt sie.

Birthe Krabbes (50)

Birthe Krabbes (50) versucht, den Schmerz aus dem Kopf ihres Patienten „zu ziehen“.

Krabbes hat ihre „Gabe“, wie sie es nennt, vor vielen Jahren entdeckt. Damals war ihre Tochter noch klein und hatte eine Warze. „Geh zurück nach Afrika zum Warzenschwein“, sagte Krabbes und am nächsten Tag war die Warze verschwunden. „Ich konnte das gar nicht glauben“, sagt sie heute. Und damit ist sie nicht allein. Viele halten das, was Krabbes und ihre Kollegen da tun, für absoluten Humbug.

„Obwohl einige Heiler nicht nur Kohle machen wollen und ihren Beruf durchaus ernst nehmen, kann eine tatsächlich heilende Wirkung weder in der Wissenschaft noch in der Realität belegt werden“, sagt Edzard Ernst (69), Professor für Alternativmedizin. Er untersucht alternative Heilmethoden seit mehr als 20 Jahren.

„Heiler glauben, dass sie Energien an ihre Patienten übertragen können, die den Selbstheilungsprozess des Körpers anregen“, so Ernst. „Das ist nicht biologisch plausibel. Wenn dadurch überhaupt Effekte erzielt werden können, sind diese ganz auf Phänomene wie den Placebo-Effekt zurückzuführen.“

Bedeutet: Eine positive Wirkung hat nichts mit der Behandlung selbst zu tun, sondern damit, dass sich überhaupt jemand um den Patienten und seine Sorgen gekümmert hat und dieser – wie bei einem Placebo – daran glaubt, dass der Heiler ihm hilft. Die Psyche hat einen großen Einfluss auf die Genesung, daran zweifelt auch die Schulmedizin nicht.

In Krabbes Behandlungszimmer legen sich nach ihren Aussagen sogar studierte Ärzte auf die Pritsche. Stefan Maus ist Zahnarzt. Er kam mit einer Infektion zu ihr, Allgemeinmediziner wussten nicht mehr weiter. „Sie war die Einzige, die mir helfen konnte“, sagt er.

Und er fügt hinzu: „Egal ob meine Ärztekollegen mich dafür belächeln – ich würde sie jedem weiterempfehlen.“

Quelle:

www.mopo.de

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